Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht

Vorstellung

Der Breidenbacher Grund, jener Bereich des Perftales mit seinen Seitentälern, dem das Dorf Breidenbach seinen Namen gab, war bis 1974 Teil des Kreises Biedenkopf. Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde er dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zugeordnet. Der ehemalige Kreis Biedenkopf, seit dem 30-jährigen Krieg auch „Hinterland“ genannt, liegt als langer schmaler Streifen am Osthang des Rheinischen Schiefergebirges. Der Breidenbacher Grund war in zwei Gerichtsbezirke aufgeteilt. Das „Obergericht“ war dem Landgrafen und das „Untergericht“ den Freiherren von Breidenbach zu Breidenstein mit der Gerichtsbarkeit „Melsbach“ zugeordnet. In folgenden Orten wurde die „Untergerichtstracht“ getragen: Breidenbach, Breidenstein, Wallau, Weifenbach, Wiesenbach, Kleingladenbach, Wolzhausen, Quotshausen, Niederdieten, Oberdieten, Achenbach, Niederhörlen, Oberhörlen, Roth und Simmersbach. Seit dem Fallen der Grenzpfähle in 1866 drang die Marburger evangelische Tracht westwärts in das Hinterland vor. Der Breidenbacher Grund und das Amt Biedenkopf sind ihrer Tracht jedoch treu geblieben.

Frauentracht

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht
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Kopfbedeckung

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Stülpchen“
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Das besonders kennzeichnende Stück der Breidenbacher Tracht war das auf dem Hinterkopf sitzende „Stülpchen“ oder „Kiwelche“. Das Stülpchen besteht aus einem röhrenartigen Teil, der Scheitel und Ohren bedeckt und unten für den Hinterkopf ausgeschnitten ist. An die Röhre fügt sich am Hinterkopf ein etwa 3 cm überstehender flacher Boden, der sich vorne ein wenig zuspitzt, an. Wegen seiner Form wurde das Stülpchen auch scherzhaft „Ofenröhre“ genannt.

„Rotes“ Stülpchen

Zur Jungmädchentracht gehörte das „rote“ Stülpchen. Dabei wurde roter Kattun mit starkem weißem Leinen unterlegt und über und über mit feinem roten und weißem Wollgarn bestickt. Die Stickerei des Stülpchenbodens ist meist symmetrisch um ein Mittelpunktmotiv angeordnet. Der Stülpchenboden wird mit Sternen-, Blüten- und Streifenmotiven bestickt. Die dichte rote „Grundstickerei“ besteht aus rosettenartigen Mustern, die auch als Grasgarten bezeichnet werden.

Auf dem röhrenförmigen Haubenteil setzt sich die Stickerei mit den Sternen, Blüten und Streifen fort. In der Mitte über dem Scheitel sind die Initialen der Trägerin mit grünem Kreuzstich eingearbeitet. Zwar sind alle Stülpchen einander verwandt, trotzdem glich keins dem anderen völlig. Persönliche Bindung an das überlieferte Formengut und individuelle Gestaltungsfähigkeiten wirken in diesem Fall, wie in aller Volkskunst, harmonisch zusammen.

Der vordere, seitliche und hintere Rand der Haube wurde mit breitem schwarzem Seidenband eingefasst. Die seitlichen Ecken über den Ohren hatten je eine Schlaufe, durch die man ein weißes Bindebändchen zog, das unter dem Kinn mit einer plissierten Rüsche verziert, gebunden wurde. Dieses weiße plissierte Bändchen ist bei den heutigen Stülpchen nicht mehr zu sehen.

„Blaues“ Stülpchen

Das „ blaue“ Stülpchen bestand aus blauem Kattun ohne Stickereien oder selten mit kleinen, weißen Vorstichen benäht. Dieses trugen die verheirateten Frauen ab dem ersten Trauerfall in der Familie ständig.

„Weißes“ Stülpchen

Das „weiße“ Stülpchen bestand aus weißem Piquet oder Leinen ohne Stickereien und wurde zum Kirchgang sowie ständig bei harter Trauer getragen.

„Geknüppeltes“ Stülpchen

Zum Abendmahl und zur Halbtrauer (nach dem Trauerjahr) trug man das „geknüppelte“ Stülpchen. Dieses ist mit einer schwarz-weiß Stickerei, die über einer Watteeinlage erfolgte um das Muster hervor zu heben, gearbeitet. Durch ein Verbot der Lehrer und Pfarrer im Breidenbacher Grund, wurde das Stülpchen nur bis etwa um 1890 getragen.

Haartracht

Die Haartracht war der Form des Stülpchens angepasst. Alles Haar wurde straff über der Stirne zurückgestrichen, so dass nur der Haaransatz zu sehen war. Am Hinterkopf wurde das Haar zu einem „Nest“ geflochten, das vom Stülpchenboden ganz bedeckt wurde. Das Nest, auch „Schnatz“ genannt, bestand aus zwei Zöpfen, die man sehr weit oben am Hinterkopf mit einem schwarzen Band, der „Schnur“ zusammenband. Dann wurden beide Zöpfe, einer rechts und der andere links herum, zu einem ovalen Nest zusammengewunden. Früher befestigte man die Zöpfe mit einem quer hirndurchgesteckten Hornpfeil mit löffelartigen Enden und einer Schnur, später mit Haarnadeln. Ein charakteristischer Unterschied besteht, bei aller Angleichung der Tracht an die des Obergerichtes, in der Haartracht. Der Schnatz wurde beim Untergericht am Hinterkopf und beim Obergericht ganz oben auf dem Kopf aufgesteckt.

Das Leibchen

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Leibchen“
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In den Inventaren des 19. Jahrhunderts erscheint das Leibchen noch nicht. Sehr wahrscheinlich wurde es nach der Jahrhundertwende in die Tracht aufgenommen. Es bestand meist aus blauem Flanell oder Biber und war mit buntgeblümten Seidenbändern eingefasst. Es sollte dadurch neue Farbe in die Tracht bringen. Das Leibchen wurde zu festlichen Gelegenheiten über dem Unterrock und dem darüber angelegten „weißen Halstuch“ getragen. Sogenannte „Runzeln“ – bunte Glasknöpfe – schlossen das straff und knapp sitzende Leibchen. Es hat sich ohne modisches Vorbild aus der Tracht selbst entwickelt.

Das Brusttuch

Tracht des Breidenbacher Grund Untergericht „Brusttuch“
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Schon vor der Jahrhundertwende 1900 war das Brusttuch als Trachtenteil abgelegt. Das Brusttuch geht auf die Barockmode zurück und stellt dennoch die Eigenständigkeit der Menschen auf dem Lande dar. Während die städtische Mode den Hals bloß ließ und mit der Form die eingeschnürte Taille betonte, machte die ländliche Tracht diese unnatürliche Schnürung nicht mit. Bei der Breidenbacher Tracht ist die Miederöffnung unten eher weiter als enger. Auch bleiben Hemd und Wams sichtbar. In der Untergerichtstracht beschreibt der obere Rand einen sanften Abwärtsbogen und betont damit die Kinn- und Halslinie. Das durch Pappe und Leinenfutter versteifte Brusttuch bestand aus einem nach unten schmaler werdenden Stück Samt mit Stickereien. Die Stickereien wurden von den Frauen und Mädchen selbst gefertigt. Sie enthielten ornamentale, pflanzliche und sinnbildliche Motive wie Herz, Tulpe usw. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts näherte sich auch ein Verfall der Formen und Techniken. Es wurden z.T. fertige Bänder quer aufgenäht. In der Abendmahlstracht hat sich das Brusttuch am längsten gehalten, weil hier die kirchlichen Sitten und bestimmte Anlässe ein längeres Fortleben sicherten.

Tücher

Eine wichtige Ergänzung der Tracht bildeten die Tücher. In der städtischen Modetracht verhüllten sie den Ausschnitt des Kleides. Auch hierbei ist strittig, ob das Brusttuch aus der Bauerntracht stammt oder aus der städtischen Modetracht. Bei der Tracht des Breidenbacher Grundes unterscheidet man zwei „Tücher“. Zum einen als „Schmucktuch“ um den Hals und zum zweiten als Wetterschutz um Schulter und Oberkörper. Die bekanntesten Schmucktücher sind die „Rosentücher“.

Rosentücher

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Rosentuch“
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Diese bestehen aus quadratischen Tüchern aus feinem Wollmusseline. Auf schwarzem Grund sind breite Kanten mit aufgedruckten Rosen und Blättern in leuchtenden Farben. Besonders schöne Tücher haben in der Mitte noch einen Rosenstrauß und sind mit Ähren und Trauben reicher ausgestattet. Den äußeren Abschluss bilden seidene Fransen. Das „rote“ Rosentuch trug man zur Kirche und zu Familienfeiern und wurde nur von jungen Mädchen getragen. Die verheirateten Frauen trugen das „blaue“ Rosentuch, welches auch zur Trauer getragen wurde. Bei Trauer um den nächsten Blutsverwandten, der sogenannten „harten Trauer“, mußte man das schwarze, stumpfe Tuch aus Blockseide nehmen. Aber auch zur Abendmahlstracht gehörte das schwarze Tuch. Neben den „Rosentüchern“ gab es einfache, aber farbenprächtige „Kranztücher“ aus Kattun.

Kranztücher

Der Grund der „Kranztücher“ war leuchtend rot, die breite Kante war mit Blumen abgegrenzt. Ferner schloss eine gelbe, lineare Kante das Tuch ab. Manche Tücher hatten auch zwei Kränze. Den Abschluss bildete bei den „Kranztüchern“ keine seidenen Fransen sondern ein schmaler Saum.

Freud- und Leidtücher

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Freud- und Leidtuch“
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Aus Kattun waren die „Freud- und Leidtücher“, die auch als „braune Rosentücher“ bezeichnet wurden. Der Rosenkranz war hier auf einem tiefbraunen, fast schwarzen Grund. Eine Ecke mit zwei Kanten war mit blauen Rosen bedruckt und die gegenüberliegende Seite mit roten Rosen. Die blaue Seite trug man zur Trauer und rot zu sonstigen Anlässen. Natürlich nur die jungen, unverheirateten Mädchen. Die verheirateten Frauen trugen nur die blaue Seite nach außen.

Rock

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Rock“
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Aus zwei Teilen besteht das Obergewand, aus der „Brust“ von Manchestersamt und aus dem daran hängenden „Rock“ aus plisseeartig gefaltetem Beiderwand. Die Form des Nackenausschnittes variiert in vielen Orten. Bei manchen Stücken ist die untere Linie des Ausschnittes nach oben gebogen, an manchen glatt und in Wallau schnitt man den Ausschnitt nach unten rund aus. Die einzige Verzierung bestand aus einem aufgenähten, gezackten Wollband mit „Hohnekämm“ (Hahnenkämmen). Dieses umsäumte den Halsausschnitt und die Rückenlinie der Armausschnitte. Die vier Bandbesätze auf dem Rücken betonten sehr fein den Körperbau. Sie variierten auch, zur Identität, in den verschiedenen Orten.

Während bei den umliegenden Trachtengebieten eine Trennung von Rock und Mieder festzustellen ist, bewahrten die Hinterländer Trachten die Einheit von „Brust“ und Rock. Den Abschluss des in Falten gelegten Rockes bildete ein etwa 10 cm breiter Stoß aus weißem Leinen. Dieser „Strohl“ hatte die Aufgabe, die weißen Strümpfe zu schützen, da der Beiderwand nicht immer farbecht war.
Der Beiderwand, auch „Berwes“ genannt, bestand aus selbsterzeugtem Leinen und selbstgesponnener Wolle. Wenn der „Berwes“ gewebt war, wurde er nach Biedenkopf „in die Farb gebracht“, d.h. er wurde schwarz gefärbt, gewalkt und „geglitzert“ (glänzend gemacht) und dann verarbeitet.

Schürze

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Schürze“
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Die „Sonntagsschürze“ bestand aus feinem selbstgewebtem und dunkelblau gefärbtem Leinen. Beidseitig „geglitzert“ oder in einfacherer Form nur einseitig, gaben sie der Tracht ihre besondere Note. Oben mit gefaltetem Bündchen wurde die Schürze mit breitem, schwarzem Samtband, das gezackte Kanten und eingewebte Blumen und Muster hatte, gebunden. Der lose „Schlupp“ (Schleife) wurde mit besonderen Stecknadeln – „Speneln“ mit Köpfen aus Glasfluss in Gestalt von bunten Vögelchen zusammen gesteckt. Die Schürze wird in etwa 7cm breite Falten gelegt und so auch gebügelt. Die langen Bänder fallen in der Mitte glatt herunter. Ungefähr 10cm über dem Rocksaum schließt ein schmaler Saum die Schürze ab.

Eine schwarze Schürze aus geglänztem Leinen und einem schwarzem Samtbändchen wurde beim Abendmahl und bei Trauer getragen. Aus „gewässertem“ Seidenband (Seidenband mit Moirémuster) waren die Bindebänder.

Die Kirmesschürze aus feinem Bielefelder Leinen machte den meisten „Staat“. Rot bestickt waren Bündchen und die langen Bindebänder. Das besticken des Bündchens sieht man nur bei sehr alten Schürzen. Das Monogramm der Trägerin schmückte das Ende der Bindebänder. Jedes Mädchen zählte es sich zur Ehre, die Schürze besonders schön auszuarbeiten.

Das „Halstuch“

Heute als „Bluse“ bezeichnet.

Ein Halstuch, das früher zur Tracht gehörte, wurde nur zur Kirmes über dem eigentlichen Hemd getragen. Es war ein bis zur Taille reichendes Oberhemd und wurde merkwürdigerweise als Halstuch bezeichnet. Dieses Halstuch wird sehr oft als Hemd bzw. Bluse getragen. Besonders breit und bunt genäht. („bunt genäht“, heißt mit Weißstickerei verziert) sind die Killer und tragen als Abschluss die Anfangsbuchstaben der Trägerin, mit rotem Garn eingestickt. Die heutigen Trachtenträgerinnen tragen nur noch die sogenannte „Bluse“ und nicht mehr das „Hemd“ (Beschreibung s. unter Besonderheiten). Der „Ünnersatz“ wurde Anfang 1900 durch „normale“ Unterwäsche ersetzt (sogenannte „Bomber“).

Zum Abendmahl gehörte früher ein „schwarzes Halstuch“. Das Material war festes Leinen, welches in Biedenkopf gefärbt und geglitzert (d. h. mit glänzender Appretur versehen) wurde.

Das Wams

Unter dem Rock wurde das mundartlich als „Wamst“ bezeichnete Wams angelegt. Dies wurde Sommer wie Winter getragen, denn „was für Kälte gut ist, ist auch für Hitze gut“. Ursprünglich wurde es unter dem Rock getragen, später trug man es über dem Rock, um es zur Arbeit leichter ablegen zu können. Das „Wamst“ taucht erstmals 1850 in einem Inventarverzeichnis auf. Aus selbstgesponnener Wolle gestrickte „Wämster“ gab es ebenso wie solche aus dunkelgrünem und schwarzem Tuch. Das Tuchwams hat man aber nie zur Arbeit getragen. Das „grüne Wamst“ war der Jugend vorbehalten, während das „schwarze Wamst“ Kennzeichen der Trauer- und Abendsmahlstracht wurde.

Das Hemd

Zum Typ der Ponchotracht oder Paidatracht gehört das Ärmelhemd der Tracht des Breidenbacher Grundes. Vorder- und Rückseite sind aus einem Stück geschnitten. Kopf- und Brustöffnung werden durch einen T-förmigen Einschnitt gebildet. Im Breidenbacher Grund wurden die Vorder- und Rückbahnen nicht durchgehend geschnitten, sondern als „Oberhemd“ und „Ünnersatz“ (Untersatz) zusammengesetzt.

Ca. 80 cm breit war das selbstgewebte Leinen, in das die T-förmige Kopföffnung eingeschnitten wurde. Besonders wichtig erscheint hier die Tatsache, dass der Untersatz durch Keile erweitert wurde. Der sogenannte „Killer“ schließt am Hals als Stehbörtchen ab. Der Killer bestand aus einem doppelt gelegten, etwa 5 cm hohen, der Halsweite entsprechenden Leinenstück, welches sehr „bunt genäht“ wurde. Die Ärmel waren lang und reichten bis zum Handgelenk. Jüngere Frauen trugen vor allem im Sommer auch Hemden mit kurzen Ärmeln, die nur bis zu den Ellbogen reichten. Das „Oberhemd“ war aus feinerem Leinen und der „Ünnersatz“ aus gröberem Leinen genäht. Der „Ünnersatz“ wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr getragen. Diese Stilform geht auf das beginnende 16. Jahrhundert zurück.

Der Unterrock „Büffel“

Am Anfang, etwa um 1860, schafften sich nur wohlhabende Frauen, einen Unterrock an. Da dieser „Büffelunterrock“ sehr schwer und warm war, wurde er nur wenig getragen. Wichtig erscheint aber die Tatsache, dass dieser „Büffel“ in der Kindertracht des Obergerichtes des Breidenbacher Grundes seine Verwendung fand.

Schuhe, Strümpfe und Strumpfbänder

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Strümpfe und Strumpfbänder“
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Die vorn zugespitzten Schuhe, über einen Leisten „geschlagen“, reichten mit dem Hinterschuh bis über die Knöchel und wurden über dem Rist verschnürt. Unter der Verschnürung ragte ein Streif des Oberleders hervor, deren Rand bei den Mädchen rot und bei den Frauen grün gefärbt war. Heute sind die gleich gearbeiteten und unbequemen Stiefel durch Spangenschuhe oder auf dem Spann geschnürte Halbschuhe ersetzt. Die Trachtenschuhe waren und sind immer schwarz. Charakteristisch für die Hinterländer Trachten waren die weißen Strümpfe. Zur Feiertagstracht waren sie aus feiner Lämmerwolle, für die Alltagstracht aus gewöhnlicher Schafswolle gearbeitet. Sie reichten bis etwas übers Knie und wurden unter dem Knie mit Strumpfbändern, die noch beschrieben werden, befestigt. Am oberen Rand wurden sie etwa 8-10 cm breit „bunt“ bestrickt, ähnlich wie beim gestickten Halsbündchen nicht etwa farbig sondern „bunt“ in bestimmten Mustern. „Wickelmänner, Hundsmemme, krumme Reihe, löcheriche krumme Reih, Maiglöckchen, Hirsekörner und Sträuße“ waren die Bezeichnungen für die Muster. Oft waren auch die Initialen der Trägerin eingearbeitet. Eine hübsche farbige Ergänzung bildeten die bunten Strumpfbänder, auch „Strumpfbennel“ oder „Hossebennel“ genannt. (Hosse: Ursprünglich strumpfartige Beinlinge). Die Strumpfbänder wurden aus buntem Wollgarn geflochten. Man verflocht die Fäden zu einem zopfähnlichen Band mit schrägkreuzendem Muster. Die Bänder waren ungefähr 1 Meter lang und 3 cm breit und gingen an beiden Enden in 8-10 kleine Zöpfe über, an deren Ende jeweils eine kugelartige Troddel (Quast) hing. Man wickelte das Strumpfband unterhalb des Knies mehrmals um das Bein und verschlang die Enden so, dass die Troddeln vorne oder leicht seitlich unter dem Faltenrock hervor sahen. Auch die Farbenordnung spielte bei den „Hossebennel“ eine Rolle. So trugen junge Mädchen und unverheiratete Frauen rot-grüne oder manchmal auch ganz bunte, rot-grün-gelb-violette „Bennel“. Bei verheirateten Frauen waren die Strumpfbänder stets nur in blau-grün oder grün-violett gehalten. Bei Trauer verschwand das Rot.

Männertracht

Die zur Zeit von den einzelnen Gruppen getragenen Trachten sind durch mündliche Überlieferungen, auf die Trachtengebiete bezogene Unterlagen, nachgearbeitet worden.

Die „Männertracht“ ist bereits vor 1900 erloschen. Den Überlieferungen nachgearbeitet wurde: Ein sogenannter „Hessenkittel“ aus blauem Stoff mit gesticktem Schulter-Hals sowie Ärmelabschluss. Dazu gehörten eine gestrickte blau/weiße Zipfelmütze, eine schwarze lange Hose und ein weißes Hemd mit einem roten Erntetuch (Halstuch). In dieser Tracht tanzen die Männer und Burschen noch heute.

Kirmestracht der Burschen

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Kirmestracht“
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Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde zum größten Fest des Jahres, der Kirmes, die Kirmestracht getragen. Die Burschen tragen eine vollständig aus weißem Leinen gefertigte Tracht: eine Kniebundhose mit außen geknöpften Tuchgamaschen zum Schutz der Beine, Leinenhemd mit vorne eingesticktem Monogramm, vom Träger selbst bestickte Hosenträger und
ein rotes Halstuch bringen Farbe ins Spiel.

Herrentracht

Entsprechend abgewandelt tragen die Männer schwarze Kniebundhosen mit weißen gestrickten Strümpfen.
Im weißen Leinenhemd ist vorne das Monogramm eingestickt. Über dem Hemd wird eine rote Samtweste mit zwei Reihen Knöpfen getragen, früher waren diese Knöpfe aus Blei.

Verlorengegangene Männertracht

Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht „Alte Männertracht“
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Die verloren gegangene Männertracht besteht aus einer weißen oder schwarzen Kniebundhose (bei reichen Bauern aus einer Hirschlederhose), einer dunkelblauen Weste, einem weißen Hemd mit Stickereien am Stehkragen und den Ärmelbündchen, weißen oder blauen Wollstrümpfen, schwarzen Schnallenschuhen, einem taubenblauen dreiviertel-langen Mantel sowie einem ovalen, schwarzen sogenannten „Schnürhut“.

Quellenverzeichnis

  • Wie sei mer da gemostert. Bezirk Mitte der HVT. ISBN 3-00-014970-8. Seite 37 – 54

Literaturempfehlungen

  • Wie sei mer da gemostert. Bezirk Mitte der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. ISBN 3-00-014970-8
  • Ursula Ewig + Anneliese Born (1964). Die Frauentracht des Breidenbacher Grundes
  • Brunhilde Miehe. Der Tracht treu geblieben. ISBN 3-9801197-7-7
  • Ferdinand Justi (1989). Hessisches Trachtenbuch. Hitzeroth Verlag Marburg. ISBN 3-925944-61-3
  • Dr. Rudolf Helm. Deutsche Bauerntrachten
  • Karl Spiess (1909). Die deutschen Volkstrachten
  • Trachtenland Hessen. (2001). Hessische Vereinigung für Tanz – und Trachtenpflege. ISBN 3-9802466-8-X

HVT-Gruppen in der Tracht des Breidenbacher Grundes Untergericht

Andreas Runkel

Trachtentanzgruppe Breidenbach 1978 e.V.
Andreas Runkel
kontakt@trachtentanzgruppe-breidenbach.de
www.trachtentanzgruppe-breidenbach.de

Sabrina Heinisch

Trachtentanz- und Brauchtumsgruppe Stadt Breidenstein e.V.
Sabrina Heinisch
S.heinisch@trachtentanz-stadtbreidenstein.de
www.trachtentanz-stadtbreidenstein.de

Heinfred Henkel

Volkstanzgruppe im Turnverein 1913 Weifenbach
Heinfred Henkel
heinfred.henkel@web.de

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