Kurzbeschreibung

Details

Das Osterfest ist einer der höchsten christlichen Feste im Kirchenjahr, zu dem der Auferstehung Jesus Christus bedacht wird. Bis sich die christliche Glaubenslehre dem Osterfest annahm, bestand Sinn und Zweck der vorchristlichen Feiern darin, den Übergang des Winters in den Frühling zu feiern. Der Winter wurde vertrieben und das Leben in der Natur erwachte.

Ostern ist ein beweglicher Feiertag und wird nach dem Mondkalender festgelegt. Der Ostersonntag fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Stroh-Puppen



Um den Winter zu vertreiben, oder besser ausgedrückt, den "Winter verbrennen", oder den "Winter austragen", wurden Puppen aus Stroh und Lumpen hergestellt, die sigend durchs Dorf getragen und anschließend verbrannt wurden. Mit dem dabei veranstalteten "Peitschenknallen" wurde der Winter vertrieben und der Sommer, genauer gesagt das Frühjahr hielt Einzug.

Osterfeuer



Das Osterfeuer ist das Symbol der Reinigung, wird aber auch als Mittelpunkt des Lebens, der Fruchtbarkeit und des Wachstums der Ernte angesehen. Es werden im Dorf alte, morsche oder unbrauchbare Hölzer zusammen getragen und zu einem Haufen aufgeschichtet und in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag entzündet. Regional verschieden wurde das Osterfeuer von dem örtlichen Priester geweiht. Mittels Fackeln oder anderen brennbaren Materialien wurde das geweihte Feuer vom Osterfeuer aus in jeden Haushalt getragen und dort der heimische Herd entzündet. Böse Geister sollten davon abgehalten werden, im Haus Unglück oder Krankheit zu verbreiten.

Winteraustreiben



Die Zeit des „Winteraustreibens ist auf den Sonntag Lätare festgelegt. Lätare, auch der Mittfastensonntag genannt, ist der 4. Sonntag in der Osterfastenzeit. Das „Winteraustreiben“ findet daher bereits vier Wochen vor Ostern statt und ist mehrheitlich Teil des Volksbrauchtums im Frühjahr. Es symbolisiert den Kampf zwischen Tag und Nacht und zwischen Wärme und Kälte. In diesem Sinne steht „Nacht“ und „Kälte“ für den Winter und „Tag“ und „Wärme“ für den Sommer. Hinter dem Winter verbirgt sich Entbehrung und Nahrungsmangel. Tritt der Frühling ein, verfliegen die Ängste der Menschen und diese erhalten neue Schaffenskraft. Das Frühjahr steht vor der Tür, d.h. die Erde erwacht zum Leben.

Junge Burschen und Mädchen versammeln sich. Der Sommer und der Winter wird unter den Anwesenden ausgewählt oder war bereits schon vorher bestimmt. Nun müssen die beiden Gestalten als Sommer und Winter hergerichtet werden.

Der Winter erhält ein Strohkleid, das den gesamten Körper umhüllt. Vielerorts werden für die Gestalt des Winters auch Fichtenzweige verwendet. Als Kopfbedeckung erhält der Winter einen Strohhut übergestülpt, der einem geflochtenen Bienenkorb ähnlich ist. Aus der Hutspitze schaut die kleine Spitze einer Fichte heraus. Die kleinen Äste sind mit bunten Bändern geschmückt. Zur Vervollständigung des Winters wird dem Burschen ein großer „Flatschen“ in die Hand gedrückt. Ein „Flatschen“ ist ein langer Kiefernstab, der entastet und weiß bis zum Wipfel geschält ist. Der Wipfel ist wieder mit bunten Bändern geschmückt.

Der Sommer erhält ein immergrünes Kleid aus Efeu oder auch aus Bärlauchstrauch. Dieser Bärlauchstrauch wird im Wald gepflückt und mit geschickten Fingern zu Strängen geflochten. Mit diesen Bärlauchsträngen werden die Beine und der Oberkörper des Burschen oder Mädchen umwickelt. Der „Flatschen“ und der Strohhut, ähnlich wie beim Winter, vervollständigen das Bild des Sommers.

Sind die beiden Gestalten „Sommer“ und „Winter“ hergerichtet, ziehen sie in Begleitung der Dorfjugend los, um den einzelnen Haushalten oder Gehöften des Dorfes einen Besuch abzustatten. Die Dorfjugend führt während dieses Umzuges geflochtene und bunt geschmückte Körbe mit sich. Diese sind in der Regel mit Spreu ausgelegt. Die Körbe dienen dazu, die zu erwartenden Spenden in Form von Eiern, Mehl, Schmalz und Speck aufzunehmen. Kommt der Umzug an einem Haushalt oder Gehöft an, wird zunächst ein „Heischespruch“ aufgesagt. Er hat immer die guten Wünsche und die Forderung nach einer Spende als Inhalt.

Klappern und Ratschen





Brauch ist, dass ab Karfreitag die Kirchenglocken verstummen. Um die Gemeinde trotzdem aufzufordern, dem Gebot des Gebetes nachzukommen, springen junge Burschen und Mädchen mit selbst gefertigten Klappern und Ratschen durchs Dorf und veranstalten dadurch einen Riesenlärm.

Osterlamm





Ein weiterer Osterbrauch ist das Zubereiten des Osterlammes. Dieser Ritus wird auf das jüdische Passah-Fest zurückgeführt, bei dem Gott ein richtiges Lamm geopfert wird. In hessischen Breiten hat das Opfern des Osterlammes nur eine symbolische Bedeutung. Das Lamm wird in Form von Gebäck repräsentiert.

Gebildbrot





Das Ostergebäck wird auch Gebildbrot genannt. Außer der Form des Lammes werden auch Vögel, Sonnen, Hasen und Zopfformen in eine entsprechende Holzform eingebracht und mit Hefeteig gebacken.

Wichtiger Bestandteil von Osterbräuchen sind Osterhase, Osternest und Osterei. Es ist überliefert, dass bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. sich die Menschen gegenseitig Eier als Geschenkgaben überreicht haben. Waren die Eier zunächst noch unbehandelt, d. h. naturfarben, kamen bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. die ersten farbigen Eier auf, wobei die Farbe "Rot" dominierte. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich der Ostereierbrauch immer weiter bis hin zu einer Eigestaltung die wahren Kunstgegenständen gleichen.

Ei in Naturfarben



Die einfachste Gestaltung eines Ostereies ist das Einfärben mit natürlichen Farben, die aus der Natur gewonnen werden können. Hierzu finden, zum Teil heute noch, Zwiebelschale (braun), Heidelbeersaft (blau), Brennnesselwurzel (gelb) oder Spinatsud (grün) und Labkraut oder Rotkraut (rot) Anwendung.

Batikei



Das spezielle Batikei wird in rohem Zustand mit heißem Wachs bemalt, z. B. Ornamente, Blumen usw., und anschließend in eine Farbbrühe gelegt und gekocht. Zum Schluss wird das Ei mit einer Speckschwarte abgerieben und erhält dadurch sein glänzendes Äußeres.

Wachsei



Das Wachsei wird gekocht und abgekühlt. Anschließend wird das Ei mit heißem Wachs beschrieben oder verziert und in eine Farbbrühe eingelegt. Hat die Eierschale die Farbe aufgenommen wird der Wachs entfernt und die helle Eierschale kommt an dieser Stelle wieder zum Vorschein.

Wickelei



Das Wickelei wird noch in heißem Zustand mit einem bunten Wollfaden umwickelt. Ist der Wollfaden wieder trocken wird er abgenommen. Es haben sich um das Ei farbige Ringe gebildet. Oder das rohe Ei wird in Blätter eingehüllt und zusammen mit der Umhüllung gekocht. Die Farbe überträgt sich zart und die Übergänge weich.

Ameisenei



Das Ameisenei wird gekocht und eingefärbt. Ein Ameisenhaufen wird aufgesucht und das Ei hinein gelegt. Die Ameisen bespritzen das Ei mit ihrer Säure und es entstehen sehr willkürliche Muster in Form von Blitzen. Diese willkürlichen Muster wurden oft zur Deutung vom zukünftigen Glück oder Unglück heran gezogen.

Leimei



Beim Leimei wird Schreinerleim mit den Fingern auf das Ei gebracht. Da dem Leim zuvor Farbstoff zugesetzt wurde, entsteht eine Marmorierung des Eies, das im Übrigen auch gerne für die anschließenden Eierspiele benutzt wurde, denn der aufgebrachte Leim macht es robuster.

Kratzei



Das Kratzei wird zunächst gekocht und eingefärbt. Anschließend wird die Eierschale mit einem spitzen harten Gegenstand bearbeitet. Die Verzierung hebt sich weiß von dem farbigen Ei ab.

Binsenei



Das Binsenei wird mit dem aus dem Mark der Binse gewonnenen wollähnlichen Material spiralförmig umwickelt. Zuvor wurde das Ei auf beiden Seiten aufgestochen und das Eigelb und Eiweiß heraus geblasen. Die Binseneier werden an einem Eiende mit einer Schlaufe am anderen Ende mit einer Quaste versehen und als Schmuckstücke das ganze Jahr über in der "Gutt Stubb" aufgehängt.

Eierkette



Die Eierkette besteht aus bunt bemalten ausgeblasenen Eiern, die mit einem dünnen Faden aneinander gereiht und zu einer Kette verbunden werden. Die Eierkette diente zum traditionellen Ausschmücken des Wohnhauses.

Spiele mit dem Osterei



Das Ei ist nicht nur ein Symbol für Ostern, sondern stellt auch einen Gegenstand für allerlei Spiele dar.

- Eierwerfen: Möglichst weit oder hoch werfen.
- Eirollen: Das Ei wird einen Abhang hinunter gerollt.
- Eidotzen: Zwei Spieler treten mit je einem Ei gegeneinander an. Die Spitzen oder der stumpfe Teil wird gegeneinander gestoßen. Sieger ist, dessen Ei heil geblieben ist.
- Eierlaufen: Teilnehmer laufen mit einem Ei, das mit einem Löffel oder ähnlichen Gegenstand getragen wird, um die Wette.

Alle Eierspiele haben aber eines gemeinsam. Gehen die Eier bei den Spielen zu Bruch, werden sie an Ort und Stelle verzehrt.

Eckdaten

Region

Odenwald