Rhön-Tracht

Vorstellung

Frauentracht

Kopfbedeckung, Haartracht

Die Haare wurden hinten zu einem Zopf zusammengefaßt und geflochten. Dieser wurde zu einem Knoten zusammengedreht und festgesteckt. Als Kopfbedeckung wurde auf dem Knoten die gerundete Bandhaube mit breiten schwarzen Bändern aus Seide getragen. Der hübsche Kopfschmuck ist sowohl in der Rhön wie fast im gesamten fränkischen Raum in einigen Varianten bekannt und wurde in seiner Grundform schon im Mittelalter getragen. Die Bänderhaube war aus Rips oder Duchess (seidenartiger Stoff). Auch Moire´ wurde zur Fertigung verwendet. Moiré ist ein Gewebe mit einer Maserung (ähnlich einer Holzmaserung oder Wasserwellen) und ist meist aus Seide. Zur Zierde diente vorne ein Litzenband, hinten am Bödchen verschönerte eine Stickerei das Häubchen. Unterhalb des Bödchens hingen Seidenbänder, welche am Ende mit Seidenfransen abschlossen. Die „Maschenbänder“ sind 10 bis 12 cm breit. Die Bandhaube wurde mit Bindbändern unter dem Kinn gebunden.

Hemd

Das Hemd besteht aus weißem Leinen mit einem runden oder viereckigem Ausschnitt. Der Ausschnitt ist mit kleiner Spitze besetzt. Geknöpft wurde das Hemd von der Brust bis zum Hals. Die Ärmel reichen bis zum Ellenbogen und sind mit der gleichen Spitze wie am Ausschnitt verziert.

Leibchen

Das Leibchen, ein reich mit Plättchen- und Perlenstickereien verziertes enges Jäckchen, im heimischen Sprachgebrauch auch „Kürres“ genannt ist in der Farbe des Rockes gefertigt. In der Regel besteht das Leibchen aus Baumwolle. Der Busen mußte glatt gearbeitet sein, ohne Abnäher, da dies unsittlich gewesen wäre. Die Perlenstickereien im Bereich der Armausschnitte ist auf Samtbändern aufgenäht, die Ränder mit sind mit Silber- oder Goldlitzen verziert.

Jacke (Mutzen)

Die tucherne Jacke, auch Mutzen genannt wird über dem Leibchen getragen. Der Mutzen ist aus Halbwollstoff, Baumwolle, Broché, Satin selten auch aus Samt gefertigt. Farbe, Stoff und Muster sind hier dem des Rockes angepasst.

Oberrock

Der Oberrock ist wie die Jacke aus Halbwollstoff, Baumwolle, Broché, Satin selten auch aus Samt gefertigt. Er hat die gleiche Farbe wie der Mutzen. Meist schwarz, braun, dunkelgrün oder kornblumenblau. Über dem Rocksaum schmückt ein schwarzes Samtband, ein oder zwei Goldlitzen manchmal auch eine rotes Zierband den Rock.

Schürze

Die Schürze für Sonn- und Feiertage war aus Satin, Seide oder Baumwolle und hatte in der Regel ein Rosenmuster. Den Schürzenbund zierte wie der Rock ein Band. Die Schürze wurde mit Bändern entweder im Rücken oder vorne in der Taille gebunden, so dass Schleifen und Bandenden die Schürze herab reichten.

Strümpfe, Schuhe

Zur Bekleidung der Füße trägt man Strümpfe aus Wolle oder Garn. Im Sommer trug die Bäuerin Baumwollstrümpfe im Winter Wollstrümpfe. Junge Frauen und Mädchen zogen weiße, ältere Frauen schwarze Strümpfe an. Die Strümpfe sind durch Rock und Schürze wenig sichtbar und stecken in in zierlichen Schnallschuhen. In verschiedenen Regionen waren die Schuhe auch aus Gazestoff mit Gobelinstickerei.

Halstuch / Mitteltuch

Über den Schultern wird ein großes farbiges, mit Blumenornamenten (meist Rosenmuster) gemustertes Seidentuch mit langen Fransen getragen, das auf der Brust mit einer Brosche zusammengehalten wird.

In manchen Regionen ist das Tuch so groß, dass die Bäuerin stolz war, wenn sie das Mitteltuch in der Taille binden konnte. Dies war ein Wertmesser für ihre Figur. Vorne wurde das Mitteltuch über der Brust gekreuzt. Das Tuch verdeckte Brust und Rücken fast vollständig.

Männertracht

Kopfbedeckung

Ursprünglich wurde in der Rhön der „Dreimaster“ aus schwarzem Filz hinten spitz und vorne breitkantig getragen. Später auch vorne Spitz und hinten Breitkantig, so wie bei den heutigen Trachteträgern in der Regel getragen wird. Um 1870 wurden die „Dreimaster“ immer seltener. Danach folgte die Pelzmütze, anschließend der rundköpfige Hut mit breiter Krempe. Darauf folgte der Zylinder oder für die Burschen die Schirmmütze.

Bei der Tracht der Trachtenkapelle Elters/Rhön ziert den Dreimaster die Silberdistel, das Wahrzeichen der Rhön.

Die Silber- oder auch Rhöndistel ist eine Charakterpflanze des Kalkmagerrasen. Sie zählt zu den Korbblütlern, hat grau-gelbe Röhrenblüten und silberne Hüllblätter. Die silbernen Strahlenkränze der Hüllblätter leuchten im Herbst auf den Hängen der Berge. Silberdisteln reagieren auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, so dass sie bei nassem Wetter die weißen Hüllblätter nach oben klappen und den Blütenkranz schließen. Daher nennt man sie auch Wetterdistel. Silberdisteln sind auch Heilkräuter. Der Sage nach soll der fränkische Kaiser Karl der Große im 8. Jahrhundert sein Heer mit Hilfe von Silberdisteln vor der Pest gerettet haben. Der lateinische Name „Carlina“ zeugt noch heute davon. Silberdisteln stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gepflückt werden.

Hemd

Das Hemd besteht aus weißem Leinen mit kleinem Stehkragen und umgeknickten Enden. Um den Kragen wurde eine bestickte Samtschleife getragen. In verschiedenen Regionen auch ein wollenes Halstuch im Winter gebunden.

Weste

Die Weste war kurz, scharlachrot mit eng aneinandergereihten halbkugelförmigen Metallknöpfen.

Jacke / Kittel

Der Bauer trug einen kurzen, kaum hüftlanger Kittel im Volksmund auch „Ärmelsding“ genannt. Er wurde in blau oder schwarz getragen. Der Kittel hatte keinen Kragen und parallel angesetzte Knopfreihen.

Kniehose

Die Kniehose war aus gelbem Hirschleder, später auch aus Tuch.

Strümpfe, Schuhe

Zur Bekleidung der Füße trägt man Strümpfe aus Wolle in blau oder weiß. Als Schuhe wurden Wadenstiefel oder Schnallenschuhe aus schwarzem Leder getragen. Eckige oder runde Schnallen aus Silber oder Messing zierten den Schnallenschuh.

Quellenverzeichnis

Literaturempfehlungen

HVT-Gruppen mit Rhön-Tracht

Fotogalerie

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