Tracht des Amtes Biedenkopf

Vorstellung

Der älteste schriftlich erwähnte Ort ist Dautphe. Bereits im Jahr 791 wird er als „Dudaffe“ in einem Kodex des Klosters Lorsch aufgeführt. Die in Dautphe errichtete Taufkirche war Mittelpunkt eines großen Kirchspiels, das im 14. Jahrhundert 13 Dörfer umfasste. Zur gleichen Zeit war „Dautphe“ verwaltungsmäßig der Mittelpunkt. Im Jahre 1238 war es Sendort (Zehnt), also der Hauptort eines karolingischen Hundertschaftsbezirkes und Gerichtsort.

Durch mehrere Änderungen der Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter verlor „Dautphe“ seine führende Stellung. Mit der Stadt Biedenkopf bildete das Gericht Dautphe im Jahre 1577 zusammen das „Amt Biedenkopf“. Eduard Duller schreibt 1847 von den Trachten des unwirtlichen Hinterlandes: Die Kleidung der Frauen ist schwarz, aus selbstgefertigtem Beiderwand, mit eigentümlich geformten Häubchen und zwei langen auf dem Rücken herabfallenden Zöpfen.

Anlassbezogen wurde die Sonntagstracht, die Arbeitstracht sowie die Hochzeits- und Trauertracht getragen.

Frauentracht

Frau in der Tracht des Amtes Biedenkopf
Frau in der Tracht des Amtes Biedenkopf
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Die Mutsche „Dellmutsche“

Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung
Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung
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Die Mutsche ist das charakteristische Kleidungsstück unserer Tracht. Die Mutsche besteht aus drei Teilen, einem durchgehenden Mittelstück und zwei Seitenteilen. Das Mittelstück bildet über dem Hinterkopf eine runde Wölbung, eine Art Volute und ist mit Pappe versteift. Über das Mittelstück und um die äußere Kante sind dem jeweiligen Anlass entsprechend, wie Hochzeit, Abendmahl oder Trauer, Spitzenborten oder einfache Taftbänder aufgenäht. An den Seiten hängen nach vorne ca. 60 – 70 cm lange Bänder lose herab und werden nicht verknotet.

Die Mutsche sitzt hoch auf dem Kopf und nach vorne tief in die Stirn. Hinten hört sie da auf, wo die zwei Zöpfe, „der Schnatz“, beginnen. In früheren Zeiten war es üblich, die Mutsche immer zu tragen. Sie wurde nur zum Schlafen abgelegt.

Haartracht (Schnatz)

Tracht des Amtes Biedenkopf Haartracht
Tracht des Amtes Biedenkopf Haartracht
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Die Haare werden nach hinten gekämmt, zusammengefasst und hoch am Hinterkopf mit einem langen Band fest zusammengebunden. Dann wird das Haar in zwei Teile geteilt und jeweils mit einem Band zusammen zu einem festen Zopf, dem „Schnatz“, geflochten. In der Gegend um Dautphe wird von oben nach unten geflochten. Das Zopfende wird durch das Band mit einem festen Knoten versehen. Die Zopfenden wurden hinten unter den Schürzenbund gesteckt.

Das Hemd

Von Anfang an gab es im Amt Biedenkopf das ärmellose Hemd, das „Osselhemb“ aus Leinen. Es ist am Hals nur wenig ausgeschnitten, hat vorne einen langen Einschnitt und reicht fast bis zu den Waden herab. Aber irgendwann hat sich das Hemd entscheidend verändert. Wohl unter dem Einfluss der „Evangelischen Marburger Tracht“ nähte man sich auch Hemden mit Ärmeln. Aus einer Stoffbreite wird das Hemd, Vorder- und Rückenteil in einem, ohne Schulternaht geschnitten. Die unter den Armen herausfallenden Keile werden umgekehrt wieder eingesetzt. So hat das Hemd unten die gewünschte Weite. Unter die 10 – 20 cm langen Ärmel werden rautenförmige Stoffstücke eingesetzt.

Der Schulterbereich wird mit einer Passe zur besseren Haltbarkeit verstärkt. Der Halsausschnitt ist etwas weiter und der vordere Schlitz wird mit einem Knopf geschlossen. Auch ist das Hemd nun kürzer. An die guten Sonntagshemden für den Sommer, wenn man „hemdsärmelig“ ging, sind am Halsausschnitt und Ärmelsaum kleine Spitzenborten angenäht.

Das Oberhemd „Halstuch“

Tracht des Amtes Biedenkopf Oberhemd der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Oberhemd der Frau
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Das Oberhemd mit den weiten Flügelärmeln trug zur Charakteristik und zum Aussehen der Tracht bei. Solange das Unterhemd keine Ärmel hatte, war das Oberhemd unbedingt erforderlich, sonst wären die Arme unbedeckt geblieben. Das Oberhemd „Halstuch“ wird unter dem Miederrock getragen. Es ist aus weißem Leinen hergestellt und reicht bis in die Taille. Der Kragen besteht aus einem 5-6 cm breiten Streifen, einer Art Bubikragen. Bei frühen Hemden sind noch größere Kragen zu finden, manchmal noch um die Kante bestickt. Am Hals wird das Hemd mit zwei an den Enden bestickten Leinenbändern geschlossen. Vorder- und Rückteil sind der Figur angepasst. Ein wahrer Luxus sind die Ärmel. Die untere Weite von 1,20 – 1,40 m ist im Schulterbereich stark eingekräuselt. Gute Hemden haben einen zweifachen Saum, eine Art breite Biese oder einen breiten Umschlag nach außen. Die Länge reicht bis an den Ellenbogen. Die Leinenbändchen am Hals sind aus praktischen Gründen einmal abgetrennt und in den „Quast“ umgewandelt worden. Irgendwann war auch das „Halstuch“ nicht mehr „in Mode“.

Der Unterrock „Böffel“

Tracht des Amtes Biedenkopf Unterrock der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Unterrock der Frau
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Zur Tracht gehört auch ein Unterrock, der bei Mädchen und jungen Frauen die Farbe rot und später bei verheirateten Frauen grün war. Der Stoff ist ein dicker flauschiger Wollstoff, ähnlich dem Lodenstoff. Das Oberteil ist ärmellos und vorne offen. Daran ist in wenigen kleinen Falten der Rock angenäht. Der Unterrock ist nicht so lang und weit wie der schwarze Rock. Mit einem Haken und einer Öse wird er in der Taille geschlossen. Um ihn wärmer und haltbarer zu machen, sind das Leibchen und der Rock bis über die Hüften mit angerautem Biber oder Leinen gefüttert. Auffallend ist, dass dieses Kleidungsstück ganz besonders reich und schön verziert ist. Da der schwarze Faltenrock streng an die „Vorschrift“ gebunden ist, wurde der Unterrock oft zu einem wahren Prunkstück. Armlöcher, Halsausschnitt und der vordere Schlitz, der ja ein Stück weit in den Rock reicht, sind mit schwarzem Samt breit eingefasst. Diese sind mit buntem Garn bestickt und genäht oder mit farbigen Seidenbändern besetzt. Der Rocksaum ist auch geschmückt. Da beim Tanzen der Unterrock gut sichtbar ist, hat man den Saumbereich mit bunten Seidenbändern, schwarzen selbstbestickten Samtbändern, im Zick-Zack-Stich aufgenäht, verziert. Die untere Kante ist mit buntem Bauwollstoff als „Stoß“ versäubert. Zum Schutz der Kante ist noch ein Wollband, das einseitige Fransen hat (Besenlitze) an die linke Seite angenäht.

Das Wamst „Stauchen“

Tracht des Amtes Biedenkopf Wamst der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Wamst der Frau
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„Das Wamst“ wurde nur noch sehr selten getragen. Es ist eine aus grobem Leinen hergestellte Jacke, die bis zu den Hüften reicht und eng an die Figur angepasst ist. Die vorne offene Jacke ist mit buntem Stoff auch rund um den Halsausschnitt eingefasst. Das Besondere an dem Wamst sind die Ärmel. Sie sind dreiviertellang und vom unteren Ende bis 10 cm über den Ellenbogen hinauf mit schwarzem Samt besetzt und reich bestickt. Dieses Wamst wurde zwischen Unter- und Oberhemd getragen und die bestickten Ärmel waren unter den weiten Flügelärmeln des Oberhemdes sichtbar. Dieses Wamst wurde irgendwann abgelegt. Um die schönen Ärmel aber zu erhalten, trennte man sie ab und band sie mit zwei Bändern über dem Rücken zusammen. So konnten sie weiterhin als „Stauchen“ unter den weiten Ärmeln des Oberhemdes getragen werden.

Die Jacke „Motzen“

Tracht des Amtes Biedenkopf Jacke der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Jacke der Frau
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Die Jacke hat es von alters her gegeben. Die Jacke ist aus einem Stück Stoff, quer von Handgelenk zu Handgelenk nach dem sogenannten Hanspeter-Schnitt zugeschnitten. Unter Arm und Hals ist einfach ein Stück herausgeschnitten. Die Sonntagsjacken, d.h. die guten Jacken, sind aus glattem Wollstoff, einfachem Samt oder Samt mit eingestickten kleinen Blümchen. Später trug man noch sogenannte bunte Jacken aus Seide mit eingewebten Blumenmustern, immer aber einfarbig schwarz. Der Halsausschnitt ist mit dem „Gekräusel“, einem 6 cm breiten, in kleine Falten gelegte (gekneppt) Stoffstreifen auf der rechten Seite besetzt und versäubert. Am Hals und in der Taille mit Haken und Ösen und in der Mitte mit schönen Taftbändern versehen, wird die Jacke geschlossen. Die Länge der Jacke reicht bis auf den Ansatz von Leibchen und Rock. Zur Unterfütterung der Jacke wird für den Winter Flanellstoff und für den Sommer Leinen verwendet. Die Ärmel sind etwa 5 – 10 cm von der Kante mit einer Borte versehen. Die vorne offengelassene Ärmelnaht wird mit einem Druckknopf am Handgelenk eng geschlossen.

Der Faltenrock

Tracht des Amtes Biedenkopf Rock der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Rock der Frau
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Der Rock ist sowohl durch das Material als auch durch die Herstellung das wertvollste Stück der Tracht. Der Stoff ist ein Gewebe aus Leinen (Kette) und Wolle (Schuss), genannt Beiderwand oder „Bärwer“. Dieser unverwüstliche Stoff wurde meist selbst hergestellt. Für einen Rock benötigte man mindestens 6 m schwarzen Beiderwand, schwarzen Manchestersamt für das Leibchen, weißes Leinen zum Abfüttern, Samtbänder, Haken und Ösen. Das Leibchen, auch „Brust“ genannt, ist fest an den Rock angenäht. Es ist ärmellos und aus schwarzem Baumwollsamt in einem Stück geschnitten. Es wird mit weißem Leinen abgefüttert und nur auf der Schulter zusammengenäht. Auf dem Rücken werden zur Zierde schwarze gemusterte Samtbänder aufgenäht. Im Amt Biedenkopf wurden sie in der Mitte unten nebeneinander, leicht schräg nach oben bis etwa halbes Armloch und dann in einem scharfen Winkel zu den Armlöchern hin aufgesetzt. Die gleichen Samtbänder sind auch vorne senkrecht an den Kanten aufgenäht. An der linken Seite wurden zehn Haken und der rechten Seite zehn Ösen für die Schnürung angenäht. Das Leibchen steht vorne 15 – 20 cm offen auseinander und wird mit einem schmalen Band aus Samt oder „Sutasch“ geschnürt, in dem man es rechts durch die Ösen führt und links in die Haken einhakt. Unter die Schnürung kommt das Brusttuch. Der Rock besteht aus vielen, fächerartig gepressten Falten, die am oberen Rand fein gekräuselt und fest zusammengenäht sind. Er hat eine Weite von mindestens 6 Bahnen à 75 cm und reicht in der Länge bis zur Mitte der Waden. Vorne unter der Schürze ist aus steifem, glänzendem Leinen ein faltenloses Mittelstück (Gern) eingesetzt. Über dem Leib steht der Rock offen, sodass immer eine Schürze zwingend getragen werden muß. Die Taille war bei der Tracht immer eine Handbreit über dem Rippenbogen.

Der Quast

Von alters her hat man vorne an der Tracht eine weiße Schleife getragen, „Quast“ genannt. Die 3 cm breiten Leinenbänder sind an den Enden meist mit weißer Stickerei und Hohlsaum bestickt und mit Häkelspitze umrandet. An den Schleifenknoten ist ein zweites ganz schmales Bändchen zum Zubinden um den Hals angenäht. Diese 3 cm breiten weißen Leinenbänder sind am Oberhemd, am sogenannten „Halstuch“, befestigt. Besonders „feine Frauen“ hatten auch mal auf jeder Seite zwei Bänder. Aus praktischen Gründen sind diese Bändchen abgetrennt worden. Für besondere Anlässe gab es auch einen Doppelquast, d. h. zwei Quaste sind aufeinander genäht. Am Ende wird der Quast steif gestärkt und gebügelt. Eine Frau besaß eine größere Anzahl von Quasten für jeden Anlass und jede Gelegenheit. Dieses neue Trachtenteil hatte viele Vorzüge. Es war immer fertig und musste nur umgebunden werden.

Das Brusttuch

Tracht des Amtes Biedenkopf Brusttuch der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Brusttuch der Frau
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Das Brusttuch war nicht nur Schmuck- oder Ziertuch wie in anderen Trachten. Es war notwendig, um vorne die breite Öffnung des Leibchens am Rock unter der Schnürung auszufüllen. Das Brusttuch ist viereckig, 20 – 25 cm groß, aus schwarzem Baumwollsamt. Obere und untere Kante sind einem bunten Seidenband besetzt. In die Mitte sind mit farbigem Stickgarn Blumen und Ranken, auch Buchstaben eingestickt und mit kleinen Metallplättchen und Silberdraht benäht. Der Fantasie und dem Geschick der Stickerin waren keine Grenzen gesetzt. Das Brusttuch wird noch etwas verstärkt und auf der Rückseite mit Leinen abgefüttert.

Das Tuch „Stocktuch“

Tracht des Amtes Biedenkopf Tuch der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Tuch der Frau
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Ursprünglich gab es in allen hessischen Trachten Tücher, die um den Hals gewickelt wurden. Das Tuch ist quadratisch 80 x 80 cm aus feinem schwarzem Wollstoff oder Seide. An zwei Seiten über Eck ist es mit einer bunten Borte und einer Stickerei versehen. Diese Stickerei besteht oft aus den Buchstaben des Namens der Trägerin. In die Ecke ist mit farbigem Stickgarn ein großes Motiv eingestickt. An die Enden der bestickten Seiten sind schöne lange gemusterte Seitenbänder angenäht. Das Tuch wird diagonal gefaltet um den Hals gelegt, die Enden vorne überkreuzt und wieder nach hinten geführt und im Nacken lose verschlungen oder zur Schleife gebunden. Es ist darauf zu achten, dass der Rand mit der Stickerei gut sichtbar gelegt wird. Zum weißen Oberhemd (Halstuch) legt man das Tuch so über die Schulter, dass der gestickte Rand auf der Schulter an dem eingesetzten Ärmel abschließt. Über der Brust wird ein halber Knoten geschlungen und man lässt die Bänder lose hängen. So kann man das gestickte Brusttuch noch sehen. Bei den ältesten Tüchern fand man eine Besonderheit, ein sogenanntes „Freud- und Leidtuch“. Bei diesem Tuch sind auf einer Ecke die Stickereien mit buntem Garn aus geführt und auf der gegenüberliegenden Seite nur in weiß und ganz schlicht. So hatte man ein Tuch für freudige und traurige Anlässe.

Die Schürze „Schlejeschürze“

Tracht des Amtes Biedenkopf Schürze der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Schürze der Frau
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Niemals sah man eine Trachtenträgerin ohne Schürze. Da der Rock vorne offen ist, ist die Kleidung nur mit Schürze vollständig. Die Schürze reicht immer von der Taille bis zum Rocksaum und wird im Rücken mit einer Schleife gebunden. Sie ist 1,20 – 1,60 m breit und aus stark appretiertem, dunkelblauem oder schwarzem feinen Leinen hergestellt. Der Stoff ist plisseeartig in 1 cm kleine Falten geknifft. Die Falten werden oben auf die Hälfte der Taillenweite in einem breiten Bund eingelegt, sodass der offenstehende Rock und der faltenlose vordere Einsatz gut bedeckt sind. Der Schürzenbund ist bei Mädchen und jungen Frauen reich bestickt. Er ist 6 cm breit und reicht an jeder Seite etwa 10 – 15 cm über die eingelegten Falten hinaus. Daran sind 0,80 – 1,00 m lange breite Seidenbänder angenäht. Später wurden an Stelle der Stickerei gekaufte Seidenbänder oder Samtbänder mit eingepressten Mustern verwendet.

Der Schuh

Tracht des Amtes Biedenkopf Schuhe der Frau
Tracht des Amtes Biedenkopf Schuhe der Frau
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Ein schwarzer, halbhoher Lederschuh mit einem 3 cm hohen Absatz gehörte zur Tracht. Der hintere Teil des Schuhs reichte bis zu den Knöcheln hinauf. Das Vorderteil, nur wenig ausgeschnitten, bildet in der Mitte über dem Fuß eine Spitze. Der Schuh wird vorne in Höhe des Knöchels mit einem Schnürband zusammengebunden. So bildet sich auf dem Fußrücken die Eigenheit des Schuhs, ein herzförmiger Ausschnitt. Der Schuh ist wie damals üblich, über einen Leisten gemacht. Es gab keinen linken und rechten Schuh. Auch hatte man einen Samtschuh, einen „Kommodschuh“. Er ist allerdings aus Plüsch. Der weit ausgeschnittene Samtschuh wurde nur an Feiertagen oder zum Tanz getragen. Um die Sohle herum nach oben war ein gezackter Lederstreifen sichtbar.

Die Strümpfe

Zur Tracht gehören weiße Wollstrümpfe. Sie reichen bis über das Knie und haben am oberen Rand etwa ein 10 cm breites schönes Muster, sind aber glatt rechts gestrickt. Es gibt auch „Zwickelstrümpfe“ für besondere Anlässe. Sie sind aus weißer feingesponnener Schafwolle gestrickt und haben seitlich am Bein einen breiten Musterstreifen. Jedes Muster hat einen besonderen Namen. Seit dem 1.Weltkrieg sind die weißen Strümpfe fast ganz verschwunden. Ohne eine gute Kernseife zum Waschen der Strümpfe blieben sie nicht schön weiß. So machte man sich daran, sie schwarz zu färben. Die Strümpfe werden unterhalb vom Knie von bunten, geflochtenen Strumpfbändern gehalten.

Die Strumpfbänder „Hossebennel“

Tracht des Amtes Biedenkopf Strumpfband
Tracht des Amtes Biedenkopf Strumpfband
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Die Strumpfbänder kommen in der Tracht wenig zur Geltung. Ein Strumpfband besteht aus 40 – 60 meist roten und grünen Wollfäden von 1,60 m Länge. In der Mitte beginnend, werden nach beiden Seiten hin, in der Art des Webens, die einzelnen Fäden miteinander verflochten. Die Zöpfchen an den Enden bekommen keine Bommelchen. Die Strumpfbänder werden unterhalb des Knies zweimal fest um das Bein geschlungen und das Ende als Schlaufe untergesteckt.

Männertracht

Mann in der Tracht des Amtes Biedenkopf
Mann in der Tracht des Amtes Biedenkopf
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Hut

Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung
Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung
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Zum vollständigen Bild gehört z der schwarze Filzhut mit breiter Krempe. Das Kopfteil ist rund, abgeflacht und ohne Einfaltung. Der breite Rand, auch Krempe genannt, wird von vorne seitlich nach hinten durch eine eingezogene Schnüre vom Rand zum Kopfteil etwas hochgezogen. So erhält der Hut ein leicht dreieckiges Aussehen. Um das Kopfteil wird ein zwei Zentimeter breites schwarzes Samtband auf die Krempe gelegt und vorne mit einer Schnalle verziert.

Mantel „Kamisol“

Tracht des Amtes Biedenkopf Mantel des Mannes
Tracht des Amtes Biedenkopf Mantel des Mannes
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Das markanteste Stück der Tracht ist erstens der dunkelblaue, knielange Tuchmantel mit den vielen Knöpfen, den Falten und dem Schlitz im Rückenteil sowie die besondere Art, den Mantel zu schließen. Trotz der zehn Knöpfe und Knopflöcher vorne, steht der Mantel offen. Durch das dritte Knopfloch von oben wird ein schwarzes Taftband gezogen und um den entsprechenden Knopf herum zur Schleife gebunden und so geschlossen.

Hemd

Das weiße Leinenhemd mit Stehbündchen am Hals hat vorne einige Biesen (kleine Falten) und am Ende der Knopfleiste einen Riegel mit eingesticktem Monogramm. Die langen Ärmel sind oben in kleine Falten gelegt (ähnlich dem „Halstuch“ der Frauen) und werden unten mit einem Bündchen geschlossen.

Weste

Tracht des Amtes Biedenkopf Weste
Tracht des Amtes Biedenkopf Weste
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Über dem Hemd wird noch eine Weste getragen. Sie ist im Vorderteil aus schwarzem Samt mit eingestickten Blümchen in lila oder auch bunt. Das Rückenteil aus einfarbigem schwarzen Leinen wird in der Taille durch einen Riegel und eine kleine Schnalle auf Weite gezogen. Am etwas weiteren Halsausschnitt ist ein Stehbund und durch zwei Reihen kleiner Knöpfe wird die Weste geschlossen. Zur Ergänzung wird ein Seidenschal in lila oder schwarz um den Hals getragen.

Hose und Hosenträger

Tracht des Amtes Biedenkopf Hosenträger des Mannes
Tracht des Amtes Biedenkopf Hosenträger des Mannes
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Die lange, gerade schwarze Hose wird von gestickten Hosenträgern gehalten. Die Hosenträger sind 3 – 5 cm breit, nach alten Mustern mit bunten Wollfäden bestickt. Die Grundfarbe der Stickerei ist schwarz. Einige Musterteile sind auch, wie im Original, mit Glasperlen gearbeitet. Das ganze wird mit Leinen abgefüttert und ringsum mit einer roten Schnur benäht. Vorne sind die Hosenträger mit den Anfangsbuchstaben des Namens, hinten mit der Jahreszahl der Herstellung versehen. Durch jeweils einen Lederstreifen werden sie an die Hose angeknöpft. In einigen Orten werden auch die schwarzen Kniehosen und die dann benötigten weißen, mit eingestrickten Mustern versehenen Wollkniestrümpfe mit den Hosenträgern getragen.

Schuhe

Der Mann trägt schwarze Halbschuhe, manchmal mit einer Schnalle versehen.

Kindertracht

Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung des Kindes
Tracht des Amtes Biedenkopf Kopfbedeckung des Kindes
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Schon in frühester Kindheit zog man den Mädchen Trachtenkleidung an. Natürlich waren die Röckchen nicht aus dem schweren Beiderwand, sondern aus buntem „Druckzeug“, vergleichbar den bedruckten Bettbezügen. Das Röckchen hatte ein ärmelloses Oberteil mit angekräuseltem Rock und wurde mit Bändern im Rücken geschlossen. Ein bunt besticktes Mützchen und weiße Wollstrümpfe gehörten auch zur Kleidung. Spätestens mit Beginn der Schulzeit wurde dieses Röckchen durch einen grünen Wollrock ersetzt. Dieser grüne Wollrock ist wie beim „Bärwerrock“ schon in viele Falten gelegt und vorne unter der Schürze glatt ohne Falten. Für das Oberteil verwendet man schwarzen Samt. Am Saum des Rockes ist ein bunter Stoß und ähnlich wie beim Unterrock „Böffel“ allerlei Besatz und Stickerei angebracht. Eine besondere Zierde an diesen Röcken sind die zwei bis vier kleinen bunt bestickten Samtkissen in Form von kleinen Herzen, die an der Spitze nach oben aufgehängt, an der Taille im Rücken angenäht sind. Hinzu kommt nun auch eine blaue Faltenschürze mit besticktem Bund und langen Bindebändern. Die Kindermutsche aus schwarzem Samt besteht aus drei Teilen, einem Mittelteil und zwei Seitenteilen. Die Mutsche ist bunt bestickt und mit Pailletten besetzt. Über die Nähte und vorne über der Stirnseite sind Rüschen aus schwarzem Taftband genäht. An jeder Seite hängt lose ein breiteres Band herab. Die Jacke ist aus schwarzem besticktem Samt. Spätestens zur Konfirmation übernahmen die Mädchen die Tracht der Erwachsenen. Die Grundfarbe ist nun für alle sichtbar: schwarz. Nur in dem „Darunter“ war noch die Farbigkeit der Jugend. So sind die Strumpfbänder aus roten und grünen Wollfäden geflochten. Der Unterrock ist aus rotem Wollstoff und die Stickereien sind farbiger gearbeitet. Diese wenigen farbigen Stücke trugen die Mädchen auch noch einige Zeit als verheiratete Frauen.

Quellenverzeichnis

  • „Wie sei mer da gemostert“. HVT. ISBN 3-00-014970-8, Seite 5 bis 26

Literaturempfehlungen

  • „Wie sei mer da gemostert“. HVT. ISBN 3-00-014970-8

HVT-Gruppen mit Tracht des Amtes Biedenkopf tragen

Heinrich Bösser

Trachten- Tanz- und Brauchtumsgruppe Dautphe e.V.
Heinrich Bösser
vorstand@trachtentanz-dautphe.de
www.trachtentanz-dautphe.de

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